Jamez McCorkle, Christopher Maltman, Brindley Sherratt, Lise Davidsen, Catriona Morison
Berliner Philharmoniker
In einer Welt, die von wachsender Unsicherheit geprägt ist, kämpfen wir für das, woran wir glauben. Es ist eine Zeit intensiver Überzeugungen, aber niemand hört mehr zu. Wir sprechen miteinander, während wir Kopfhörer tragen – und wenn wir zuhören, dann nur über Podcasts von Dritten, die jede unserer Meinungen kuratieren. Mit den Augen fest auf unsere persönlichen Propagandamaschinen gerichtet, die durch unsere ganz eigenen Gedanken und Handlungen fein abgestimmt sind, bestätigen wir unsere tiefsten Ängste und gestalten gemeinsam mit anderen innerhalb unseres Netzwerks Albträume.
Wir predigen vor dem Chor und singen vor tauben Ohren – es ist ein Moment unglaublicher Polarisierung. Aber wer hat Recht und wer Unrecht, wenn es keinen Mittelweg gibt?
»In einer Zeit, in der das, was falsch ist, als böse gilt und das, was richtig ist, als scheinheilig abgetan wird – wo ist Gott in all diesem Chaos?«
Alan Lucien Øyen
Sophokles’ dreitausend Jahre alte »Antigone« ist ein Stück, das auch heute noch aktuell ist. Menschliche Würde und Demut stehen auf dem Spiel in einem Kampf um die Achtung menschlicher Gesetze. Was ist die menschliche Zivilisation ohne Respekt? Ohne die Würde anderer? Wer die Weltpolitik verfolgt, wird es vielleicht bald erfahren.
Mit einer phänomenalen Besetzung – darunter einige der renommiertesten Tänzerinnen und Tänzer des Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch sowie Tänzer aus meiner eigenen Compagnie winter guests – freue ich mich sehr darauf, »Antigone« durch ihre außergewöhnliche Körperlichkeit und Theatralik zu erkunden.
Es handelt sich nicht nur um eine Neuinterpretation, sondern um eine Wiederentdeckung der Ideen des Stücks – in Bewegungen, Worten und Situationen. Wir suchen nach einem zutiefst menschlichen Ausdruck, der sich den ungelösten Dilemmata des Stücks stellt: Pflicht, Würde, Moral und die Komplexität der Macht.
Der norwegische Choreograph Alan Lucien Øyen
Durch heulenden Wind und kreischende Vögel, durch verzweifelte Trauer und gewalttätige Tyrannei – die Szenen des Stücks werfen ihre Bedeutung zurück auf unsere heutigen Dilemmata. In einer Zeit, in der das, was falsch ist, als böse gilt und das, was richtig ist, als scheinheilig abgetan wird – wo ist Gott in all diesem Chaos?
Verwurzelt im Erbe des Tanztheaters streben wir eine äußerst körperliche und emotional aufgeladene Sprech- und Bewegungssprache an, die der Bedeutung dieser unendlich wichtigen Geschichte gerecht wird.
Ich kann mir keine bessere Gruppe von Tänzerinnen und Tänzern vorstellen, um die Widersprüche im Kern von »Antigone« zu verkörpern – und den Kampf darzustellen, der über das hinausgeht, was Worte fassen können.
- Alan Lucien Øyen, Choreograph